Seit ich 13 bin treibe ich mich gerne in Chats rum. So kam es, wie es kommen musste, als ich ca. 18 war lernte ich einen dominanten Mann kennen. Anfangs waren es zwischen uns nur Plänkeleien. Da ich zu der Zeit das Gefühl hatte in meinem Leben keine Kontrolle zu haben, wollte ich sozusagen zumindest in der Sexualität die Kontrolle und somit die dominante Rolle übernehmen. Nun ja, den Zahn hat mir dieser Dom aus dem Chat sehr schnell gezogen. Schon bald begann er mit meiner virtuellen Ausbildung, anfangs war das alles sehr harmlos, jedoch steigerte er sich recht bald. Irgendwann reichte es ihm nicht mehr, wenn ich mich einfach vor der Webcam spielenderweise präsentierte, bald stellte er mir Aufgaben, die ich zu erfüllen hatte und danach musste ich ihm davon berichten. Auch unsere virtuelle Sessions wurden immer härter, mit Wachs, Klammern und einigem Spielzeug mehr. So ging das über einige Jahre, immer mal wieder mit mehr oder minder kurzen Unterbrechungen und wir hatten beide unseren Spaß. Allerdings habe ich über die Jahre hinweg immer daran gezweifelt, ob ich wirklich devot bin. Immerhin, eine virtuelle Session ist nicht vergleichbar mit einer realen. Wenn ich real gefesselt und geknebelt bin, dann kann ich mich wirklich nicht wehren. Mit Webcam kann ich jederzeit die Kamera ausstöpseln oder ganz aus dem Internet gehen, wenn es mir zu viel wird. Allerdings nahm mein Internet-Dom Anfang 2007 mir diesen Zweifel auch noch, als er mich besonders hart bestrafte. Ich war wirklich sehr aufmüpfig an diesem Abend und er verlangte von mir, meinen Grundsatz Nummer 1 zu brechen: Mein Arsch bleibt Jungfrau. Danach hatte ich blöderweise einen kleinen Absturz, da ich danach nicht mit ihm über diese Erfahrung reden konnte aus mehreren Gründen, aber bereuhen tu ich es nicht! In diesem Zusammenhang möchte ich E. auch danken, dass er all die Jahre für mich da war, mir ein guter Freund und Dom war. Ich hoffe wir schaffen es wirklich mal uns zu treffen, auch wenn der Kontakt zur Zeit leider sehr eingeschränkt ist.

Die Erfahrung wirklich devot zu sein, alles für den Dom zu tun, veränderte mich dann ziemlich. Ich wollte nicht mehr damit warten meine Neigungen auszuleben, meine Devotheit real auf den Prüfstand zu stellen. Ich wollte endlich Erfahrungen sammeln. Ich ging in die Offensive, meldete mich im Chat mit einem relativ eindeutigen Nick an und harrte der Dinge, die da kommen sollten. Was kam war... im Nachhinein eine riesengroße Enttäuschung, aber auch eine Erfahrung, die mich stärker gemacht hat. Ich lernte tatsächlich jemanden kennen. Zu ihm habe ich keinen Kontakt mehr, aber fast ein 3/4 Jahr lang schrieb ich mit ihm, telefonierte regelmäßig mit ihm und auch die ein oder andere virtuelle Session mit ihm war sehr nett. Wir hatten auch schon ein Treffen abgemacht, hatten einen festen Tag, doch einen Tag vorher sagte er ab. Er versuchte eine Zeit lang mich zu vertrösten, doch als er sich nicht auf einen Termin festnageln ließ setzte ich ihm die Pistole auf die Brust. Er zog leider den Rückzug an. Ich gebe zu, es war sehr naiv, was ich getan habe. Es war Dummheit pur so viele Gefühle zu investieren in einen Menschen, den man nicht real kennt. Und ich gebe zu, es hat mir schon ein bischen das Herz gebrochen, als er offensichtlich keinen Arsch in der Hose hatte, sondern den Schwanz eingezogen hat. Dennoch, auch ihm bin ich dankbar, da ich für ihn häufig über meinen eigenen Schatten gesprungen bin, mein Leben durch ihn schrittweise zum Positiven hin verändert habe und weil mir noch bewusster wurde, wie wichtig es mir ist meine devote Seite auszuleben. Danke R. auch wenn du ein Feigling bist und dementsprechend nicht gut genug für mich.

Nun bin ich seit einiger Zeit in der SZ angemeldet. Dort habe ich viele Vollidioten kennengelernt, die man einfach nur auslachen oder bemitleiden kann. Allerdings gibt es dort auch viele sehr interessante und sehr liebe Menschen. Einen durfte ich schon sehr schnell kennenlernen. Nach einer Woche Mails schreiben haben wir bereits telefoniert und nach einer weiteren Woche haben wir uns das erste Mal getroffen. Er wusste, wie unerfahren ich bin, nicht nur im Bereich BDSM, sondern allgemein was Sex angeht. Den ersten Abend bei mir verbrachten wir also mit Vanilla-Sex. Er gab mir die Gelegenheit einfach mal auszutesten, was man mit dem männlichen Körper alles anstellen kann und ich danke ihm, dass er mein Versuchsobjekt war. Zwei Wochen ging es auch bestens mit uns, bis er dann feststellte, dass er nicht mehr für mich empfinden wird, außer freundschaftliche Gefühle. Klar, meine Welt ist mal kurz zusammengebrochen, mein erster realer Dom, dem ich vollkommen vertrauen konnte, der wollte mich nicht. Jedenfalls nicht in einer festen Beziehung. Das hat mir natürlich gar nicht gefallen, aber ich bin schnell darüber hinweggekommen und nun ist er einer meiner Spielpartner. Dabei ist unglaublich, wie sehr er mich einzuschätzen weiß, obwohl wir uns nun auch noch nicht soooo oft gesehen haben, allein weil die Zeit bei beiden von uns recht knapp ist. Dennoch schafft er es ohne Probleme meine Körpersprache zu lesen, auf mich einzugehen und er treibt mich bei jeder Session über eine neue Grenze, die für mich noch weit weg war. Er ist, wie es sich gehört in einer guten BDSM-Beziehung (auch einer platonischen) mein Freund, mein Kumpel und mein Meister und ich freu mich schon auf die nächste Session mit ihm!

Mein zweites Date aus der SZ... weniger erfolgreich. Er hat mir vom Aussehen her nicht gefallen, seine Art war teilweise auch etwas seltsam und eigentlich war mir von Anfang an klar, dass das erste auch das letzte Treffen sein würde. Uneigentlich aber nicht. Dieser Mann hatte eine unglaublich dominante Ausstrahlung. Im Café redeten wir ganz normal, über alltägliche Dinge, nichts Besonderes. Aber ich hatte die ganze Zeit das Gefühl geistig bereits nackt vor ihm zu knien und auf seine Strafe oder sein Lob zu warten. Es war eine interessante Erfahrung und an sich hatte er recht, genau das ist, was ich will. Aber bei ihm hätte ich mich nie fallen lassen können, da ich ihm 1. nicht vertraute, 2. hatte ich nicht das Gefühl menschlich von ihm respektiert zu werden und ohne dieses Gefühl kann eine sub sich nicht guten Gewissens komplett aufgeben. Ist jedenfalls meine Meinung.

Nun denn, mein drittes Date aus der SZ und bisher auch mein letztes: ich hatte davon schon im Tagebuch geschrieben, vom Stuttgarter Dom. Auch ihm vertraue ich vollends und ich freue mich auf unsere nächste Session. Ich befürchte er wird mich über einige Grenzen hinweg katapultieren, aber ich freue mich auf seine Lektionen.

Soweit mein bisheriger Werdegang als Sklavin. Bewusst gehe ich hier, wie auch im laufenden Tagebuch nicht auf konkrete Erfahrungen ein, man weiß ja nie, wer über diese Seite stolpert, wie alt diese Person sein mag, daher halte ich es so allgemein. Außerdem, auch wenn ich nicht unbedingt prüde bin, einige der Sachen, die ich für meine Doms bereits getan habe sind mir im Nachhinein nicht unbedingt unangenehm, aber es ist mir unangenehm darüber zu reden oder zu schreiben. Es ist nun mal so, wenn ich im "Sklavinnen-Modus" bin, dann habe ich keinen eigenen Kopf mehr, ich tue nur das, was der Dom verlangt, ohne Wenn und Aber. Deswegen ist es mir so wichtig, dass die menschliche Ebene stimmt und ich dem Dom vertrauen kann. Denn wenn meine innere Sklavin sich von der Leine losreisst, dann kann nur noch einer Nein sagen und Dinge aufhalten, und das ist der Dom. Ich kann es dann nicht, da die Sklavin nicht Nein sagen kann und will. Sie will dem Dom gefallen und ist bereit alles zu tun. Ihr wäre es wahrscheinlich auch nicht peinlich im kleinsten Detail zu erzählen, was sie schon alles getan hat, wahrscheinlich wäre sie stolz, so wie ich sie einschätze, aber ich hab sie grad gut angeleint und sie schläft. Und mir ist es unangenehm über gewisse Erfahrungen zu reden, auch wenn es keine schlimmen Erfahrungen waren.

Achja, klingt das nach multipler Persönlichkeitsstörung, wenn ich in der dritten Person von meiner inneren Sklavin rede? Mag sein, aber lest mal Hesses "Steppenwolf". Sehr beliebtes Buch bei devoten Personen, weil es gut diese zwiegespaltene Persönlichkeit aufzeigt.