In der Kurzfassung und in Stichpunkten:

-geboren in der Schweiz, ´85er Jahrgang

- mit 7 Umzug nach Berlin

- mit 10 Umzug nach Karlsruhe

- mit 13 Umzug nach Boston für ein Jahr, danach zurück nach Karlsruhe

- mit 15/16: Eltern gehen wieder nach Boston

- 2004: Abi, Umzug nach Hamburg und Beginn meines FSJs

- 2005: für zwei Monate zurück nach Karlsruhe, im Oktober Umzug nach Heidelberg und Beginn des Studiums

- 2006: Umzug innerhalb von Heidelberg

- immernoch Studentin, immernoch in Heidelberg

 

Und nun die längere Fassung:

Wie gesagt wurde ich in der Schweiz geboren und habe dort gewohnt, bis ich 7 Jahre alt war. Wirkliche Erinnerungen habe ich an die Zeit nicht mehr, leider. Es war wohl eine schöne Zeit und eine glückliche Kindheit. Ich habe dort in einem kleinen Vorort gewohnt, der sehr ruhig war und mein Leben war geprägt von Freude, Spielen mit Freunden und auch mit Familie. Zwar lebten meine Großeltern weit weg, aber immerhin war zu der Zeit (zumindest anfangs) mein Vater noch regelmäßig zuhause und ich habe ihn bei jedem Essen gesehen. Außerdem waren wir zweimal im Jahr im Urlaub, einmal im Sommer zum Wandern und einmal im Winter zum Skifahren. Ersteres habe ich gehasst wie die Pest, besonders wenn wir zum Forellenteich gewandert sind zum Angeln, weil wir da an einer lawinengefährdeten Stelle vorbei mussten und ich immer eine wahnsinnige Angst hatte. Dafür war das Skifahren immer schön. Ich kann es zwar immernoch nicht vernünftig, aber Hauptsache, es macht Spaß

Mit 7 bin ich dann nach Berlin umgezogen. Die Wohnung war nicht besonders schön, die Stadt auch nicht. Wir wohnten wieder in einem Vorort, der angeblich sehr ruhig war, dennoch wurde mein großer Bruder einmal einfach so von Wildfremden verprügelt und auch ich wurde in der Schule einmal angegriffen von einem Jungen, der gerade Stress mit meinen Freundinnen hatte, sich aber nicht getraut hat, gegen die anzugehen. Da musste ich dann herhalten. So ist Berlin eben...

Zum Glück ging es nach drei Jahren aber schon weiter, der nächste Umzug nach Karlsruhe stand an. Dort bin ich auf das Gymnasium gekommen, wo ich auch meine Süße kennengelernt habe, meine beste Freundin, die ich nun mein halbes Leben lang kenne  Die ersten dreie Jahre in Karlsruhe waren dann auch wenig ereignisreich. Interessant wurde es dann wieder in Boston. Es war ein sehr interessantes und schönes Jahr, aber auch sehr stressig. Ich hatte kein Zutrauen zu meinen Sprachkenntnissen und dementsprechend keine Freunde, weil ich mich mit niemandem unterhalten wollte. Dennoch war es toll, weil Boston einfach eine tolle Stadt ist und ich viel gelernt habe und das bezieht sich nicht nur auf die Sprache. Leider ging es bereits nach einem Jahr wieder zurück nach Karlsruhe und irgendwie war das der Anfang allen Übels. Meine Eltern hielten sich strikt an die Vorgaben des Jugendschutzgesetzes, d.h. während ALLE meine Freunde lange wegbleiben durften, durfte ich mit 15 eigentlich gar nicht weg, mit 16 nur bis 24 Uhr und das wurde auch immer kontrolliert. Selbst als meine Eltern wieder nach Amerika sind und meinen Bruder und mich in Deutschland zurückgelassen haben stand ich unter Dauerkontrolle. Wusste mein Vater zum Beispiel, dass ich abends unterwegs war, so klingelte um Punkt 24.15Uhr das Telefon zu Hause, ob ich auch schon gut angekommen sei. Glaubt mir, das war sehr nervig und anstrengend.

Schlimmer war allerdings eher, dass eine damalige gute Freundin grad mitten in ihren pubertären Depressionen hing, was nicht nur zu selbstverletzendem Verhalten ihrerseits führte, sondern sie ging so weit ihren Suizid anzudrohen, natürlich nur mir gegenüber. Zu diesem Zeitpunkt waren meine Eltern in den USA, ich hatte also keinen erwachsenen Ansprechpartner. (Ganz abgesehen davon, dass ich mit meinen Eltern nie eine solche Beziehung hatte, dass ich ihnen irgendwas erzählt hätte...) So kam es dann, dass ich komplett überfordert war und selber abgestürzt bin. Auch ich hab mit SVV angefangen und es jahrelang betrieben. Ich bin immer weiter abgeglitten, bis ich ganz unten war und nicht mehr konnte. Irgendwie habe ich durchgehalten, ich weiß selbst nicht mehr genau wie, und als ich mein Abi in der Tasche hatte bin ich abgehauen. Ich hab mir eine Stelle für ein freiwilliges soziales Jahr organisiert und bin weg, weg aus Karlsruhe, weg von den Problemen und hin zur Freiheit nach Hamburg.

Auch in Hamburg habe ich viel gelernt. Ich habe mit geistig und psychisch Behinderten und Kranken gearbeitet und einfach mal die Freiheit gehabt zu leben, wie ich will. Es hat mir sehr gut getan, auch was die Stabilisierung meines psychischen Zustands angeht, selbst wenn ich noch lange nicht über den Berg war. Das merkte ich spätestens, als ich wieder zurück nach Karlsruhe musste. Es waren zwar nur zwei Monate, aber die waren schon zuviel. Meine Eltern haben durch ihre jahrelange Abwesenheit nicht mitbekommen, was mit mir los war und dass ich mittlerweile erwachsen und selbstständig geworden war. Dementsprechend haben sie mich behandelt, also wie ein Kind (mein Vater) bzw. wie eine Pubertierende (meine Mutter). Ich war zwar schon geistig reifer geworden, hatte aber immernoch keinen wirklichen Weg mit Problemen und Konflikten umzugehen. Das heisst, ich habe mir zwei Monate lang wirklich jeden Abend das Bier nur so reingeschüttet. Natürlich waren meine Eltern nicht begeistert, aber wirklich was gemacht haben sie nicht. Sie haben es zwar ab und an kommentiert, aber selten. Und statt zu fragen, warum ich soviel trinke kamen nur Vorwürde, wobei das Bier dennoch nie ausging. Sowas nennt man dann wohl Co-Abhängigkeit

Jedenfalls kam dann der Umzug nach Heidelberg. Endlich wieder frei, endlich wieder allein, endlich ein neuer Abschnitt im Leben. Das erste Jahre war zwar weniger erfolgreich, weil ich immernoch mit meinem psychischen Zustand zu tun hatte, aber nun ja. Immerhin war ich unter der Woche weg von meinen Eltern und musste mich nur am Wochenende mit ihnen rumschlagen. Immernoch war Alkohol ein Thema für mich, immernoch die Vorwürfe meiner Eltern, immernoch jedes Wochenende ein frischer Kasten Bier im Keller.

Zum Glück konnte ich nach einem Jahr in Heidelberg in eine neue Wohnung umziehen. Hier habe ich nun eine Möglichkeit zu waschen und eigenes Internet, d.h. ich habe kaum einen Grund mehr zu meinen Eltern zu fahren. Und endlich endlich bin ich nun auch stabil, und das seit praktisch 1,5 Jahren. Natürlich, es kommt immer wieder mal zu kleinen Abstürzen, aber die sind wirklich klein und ich kann mich jedes Mal schnell wieder auffangen. Bei Alkohol muss ich immer noch vorsichtig sein, aber es hält sich sehr in Grenzen und auch SVV ist für mich kein Thema mehr. Auch meine Freunde hier haben die Narben an meinem Arm längst gesehen und akzeptiert, Mein Leben läuft im Moment also sehr gut und in festen Bahnen. Ich habe meine Träume und Ziele und die verfolge ich. Und es ist im Moment einfach toll, so dass ich mich neuen Aufgaben widmen kann, wie zum Beispiel einem Blog